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Diabetes

Mit "Diabetes mellitus" wird eine Erkrankung bezeichnet, die durch erhöhte Blutzuckerwerte sowie weitere Störungen im Zucker- und Fettstoffwechsel gekennzeichnet ist. Heute leben in Deutschland etwa 6 Millionen Menschen mit Diabetes, im Jahr 2010 wird es schätzungsweise 10 Millionen Diabetiker geben. Bei korrekter Behandlung ist für die Betroffenen über einen langen Zeitraum ein normales und aktives Leben möglich.

Dieser Ratgeber soll Ihnen dabei helfen, sich über die Stoffwechselstörung "Diabetes mellitus" eingehender zu informieren. Anhand der zahlreichen, wichtigen Informationen können Diabetiker ein erfülltes und aktives Leben führen, denn eine solche Lebensführung ist unabdingbare Voraussetzung für jede langfristig erfolgreiche Behandlung.

Ernährung Diabetes

Symptome

Beim Diabetes mellitus steht eine erhebliche Störung des Zuckerhaushalts im Vordergrund, die mehrere Ursachen haben kann. Entweder produziert der Körper kein oder viel zu geringe Mengen von Insulin, oder aber das von der Bauchspeicheldrüse produzierte Insulin kann nicht richtig wirken.

Ein Diabetes kann über einen längeren Zeitraum bestehen, ehe sich die Stoffwechselstörung durch Beschwerden bemerkbar macht. Oftmals wird ein Diabetes zufällig entdeckt, da viele Betroffene wenig oder gar keine Beschwerden haben. Charakteristische Symptome sind: Müdigkeit, Unwohlsein, Schwäche, vermehrtes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, Juckreiz, Infektionen.

Ursachen

Die Ursachen des Diabetes sind bis heute, trotz zahlreicher, jahrzehntelanger Untersuchungen, nicht genau bekannt. Bekannt ist, dass mehrere Faktoren zusammentreffen müssen, damit ein Diabetes auftritt. Hier spielen die heutigen Lebensbedingungen eine entscheidende Rolle: zu wenig Bewegung, einseitige und vermehrte Kalorienzufuhr, Übergewicht. Außerdem begünstigen vererbte Merkmale in Familien gehäuft auftretenden Diabetes.

Hintergrund

Die verschiedenen Formen des Diabtes mellitus

Die Mehrzahl der Diabetiker leiden entweder an Diabetes mellitus Typ-1 oder Typ-2. Darüber hinaus gibt es weitere, sehr seltene Diabetesformen sowie den Diabetes in der Schwangerschaft.

Typ-1-Diabetes:
Der Typ-1-Diabetes tritt überwiegend bei jüngeren Menschen im Alter zwischen 5 und 40 Jahren auf. Dennoch ist auch ein späteres Auftreten heute keine Seltenheit. Die Zahl der Typ-1-Diabetiker ist in den vergangenen Jahrzehnten recht konstant geblieben. Als Ursache wird eine Autoimmunerkrankung angesehen, bei der sich das Immunsystem gegen körpereigene Bauchspeicheldrüsen-Zellen richtet und ihre Zerstörung bewerkstelligt. Betroffen sind die Insulin-produzierenden Zellen, die so genannten Beta-Zellen. Sie sind für die Bildung, Speicherung und bedarfsgerechte Ausschüttung von Insulin in die Blutbahn zuständig. Beim Typ-1-Diabetiker werden diese Zellen allmählich zerstört. Sobald etwa 80 % der Insulin-produzierenden Zellen ausgeschaltet sind, kann der Blutzucker nicht mehr unter Kontrolle gehalten werden, und es kommt infolge des Insulin-Mangels zu einem Ansteigen des Blutzuckers, der Arzt diagnostiziert im Blut eine Hyperglykämie. Typ-1-Diabetiker sind häufig bei Ausbruch der Erkrankung schlank.

Typ-2-Diabetes:
Etwa 90 % aller Diabetiker sind an einem Typ-2-Diabetes erkrankt. Die Anzahl der Betroffenen zeigt einen kontinuierlichen Anstieg. Der Typ-2-Diabetes tritt am häufigsten nach dem 40. Lebensjahr auf, er kann aber auch bereits in jüngeren Jahren bestehen. Heute leiden eine zunehmende Anzahl von Kindern und Jugendlichen unter Typ-2-Diabetes, da die Häufigkeit des Übergewichts im Kindesalter zunimmt. Übergewicht fördert die Entstehung des Typ-2-Diabetes. Dieser ist zweifellos eine Wohlstandskrankheit. Typ-2-Diabetes ist deutlich stärker vererbbar als Typ-1-Diabetes. Auffallend häufig geht diese Diabetesform mit begleitenden Faktoren einher: erhöhter Blutdruck (Hypertonie), erhöhte Cholesterin-Werte, Übergewicht und Veränderungen der Blutgefäße mit Durchblutungsstörungen.

Im Vordergrund des Zuckerhaushalts steht beim Typ-2-Diabetiker eine Insulin-Unempfindlichkeit der Zellen. Besonders stark ausgeprägt ist dieses Phänomen in den Zellen des Muskel- und des Fettgewebes. Dadurch steigt der Blutzuckerwert allmählich an. Diesen Anstieg versucht die Bauchspeicheldrüse durch eine verstärkte Produktion von Insulin auszugleichen. Im Blut von Typ-2-Diabetikern findet man daher, zumindest bei Beginn der Erkrankung, deutlich erhöhte Insulin-Mengen (Hyperinsulinämie). Diese erste Phase des Typ-2-Diabetes ist daher durch einen relativen Insulinmangel gekennzeichnet, d. h. durch das Vorhandensein von Insulin mit verminderter Wirksamkeit.

Im weiteren Verlauf des Typ-2-Diabetes kommt es aufgrund der starken Aktivität der Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zu einem Rückgang der Insulin-Produktion. Langfristig tritt bei sehr vielen Typ-2-Diabetikern ein echter Insulinmangel auf.

Andere Formen des Diabetes mellitus:
Bei einem kleinen Prozentsatz von schwangeren Frauen (2-3 %) tritt ein Diabetes mellitus auf. Im Vordergrund der Behandlung steht die optimale Stoffwechselführung, da das Risko für eine Fehl- oder Totgeburt stark erhöht ist. Meist ist nach der Schwangerschaft keine Behandlung mehr erforderlich. Dennoch kann ein Diabetes zu einem späteren Zeitpunkt erneut auftreten. Ein besonders hohes Risiko weisen übergewichtige Frauen auf, Frauen, deren Kind ein deutlich erhöhtes Geburtsgewicht hatte, sowie Frauen, die Verwandte ersten Grades mit Diabetes haben.

Andere, durch genetische Defekte verursachte Formen des Diabetes, die die Insulinwirkung oder die Insulinproduktion betreffen, sind sehr selten.

Insulin, ein lebenswichtiges Hormon

Die entscheidende Rolle bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels spielt das Insulin. Es ist ein lebenswichtiges Hormon, das von den Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Von diesen wird es, immer wenn Bedarf besteht, in die Blutbahn abgegeben.

Insulin ist ständig in geringen Mengen im Blut vorhanden und wird beim Ansteigen des Blutzuckerspiegels, z. B. nach einer Mahlzeit oder bei vermehrter Glukose-Freisetzung aus der Leber, schnell und in verstärktem Maße ausgeschüttet. Die Wirkungen des Insulins sind, je nach Organ oder Körpergewebe, unterschiedlich. Insulin wirkt besonders intensiv im Fettgewebe, an der Muskulatur und in der Leber. Seine Aufgabe besteht in erster Linie darin, Traubenzucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen hinein zu transportieren. Diese Zellen verwenden Glukose als wichtigen Ausgangsstoff für die Energiegewinnung. Infolgedessen sinkt der Blutzuckerspiegel.

Der Blutzuckerspiegel wird über einen feinen Mechanismus in einem engen Bereich reguliert. Beim Gesunden liegen die Blutzuckerwerte, nüchtern gemessen, nicht über 100 mg/dl (5,6 mmol/l) und zwei Stunden nach einer Mahlzeit nicht höher als 140 mg/dl (7,8 mmol/l).

Die Diagnose "Diabetes mellitus"

Vom Arzt wird ein "Diabetes mellitus" diagnostiziert, wenn der Nüchtern-Blutzucker über 110 mg/dl (6,1 mmol/l) im Kapillarblut oder über 126 mg/dl (7,0 mmol/l) im Plasma liegt. Auch ein "Gelegenheitsblutzucker", im Verlauf des Tages gemessen, von über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) sichert die Diagnose eines Diabetes.

Behandlung

Ziele der Diabetes-Behandlung

Jede Therapie dient in erster Linie der Erhaltung und Verbesserung von Gesundheit und Lebensqualität. Abhängig vom Alter und anderen, gleichzeitig vorliegenden Erkrankungen sollten die individuellen Therapieziele festgesetzt werden:

  • Eine möglichst nahe an den Normwerten orientierte, gute und stabile Stoffwechsel-Lage.
  • Vermeidung von typischen Krankheits-Symptomen, wie Müdigkeit, Schwäche, Durst, große Harnmengen.
  • Begrenzung des Risikos für Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.
  • Vermeidung von Folge-Komplikationen am Auge mit Sehbehinderung oder Erblindung.
  • Vermeidung von Erkrankungen der Nieren mit Nierenversagen und Notwendigkeit von Blutwäsche (Dialyse) oder Transplantation.
  • Vermeidung von Nervenschädigungen und -schmerzen.
  • Vermeidung von Folgeerkrankungen am Fuß mit chronischen Entzündungen, Geschwürbildung oder Amputationen.

Insbesondere bei einem Typ-2-Diabetes handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung, bei der etwa alle zwei Jahre die Therapie angepasst werden sollte. Im Verlauf der Behandlung ist es wichtig zu erkennen, wann der Zeitpunkt erreicht ist, ab dem der Wechsel von der Behandlung mittels Tabletten zur Insulingabe sinnvoll wird.

Tabelle 1: Untersuchungen, die bei Diabetikern zur Vermeidung und frühzeitigen Erkennung von typischen Folgeerkrankungen regelmäßig durchgeführt werden sollen:

Viertel- bis halbjährliche Kontrollen:

  • Gewicht
  • Blutdruck, Puls
  • Blutzucker
  • HbA1c
  • Mikroalbuminurie
  • Fußinspektion

Jährliche Kontrollen:

  • Augenärztliche Untersuchung
  • Nierenfunktion
  • Peripheres Nervensystem
  • Zustand der Blutgefäße
  • EKG, evtl. Belastungs-EKG
  • Cholesterin und Triglyceride
  • Harnsäure.

HbA1c - Hämoglobin A1c - das Zuckergedächtnis

Hämoglobin ist der wichtigste Bestandteil der roten Blutkörperchen, an den sich Glukose fest anlagert. Durch die Bestimmung von HbA1c im Labor wird festgestellt, wie hoch der Anteil dieser Hämoglobinmoleküle ist, an die diese Form der Zuckeranlagerung stattgefunden hat. Ihr Anteil wird in Prozent angegeben. Je höher der HbA1c-Wert bei einer Messung ausfällt, um so schlechter war die Blutzuckereinstellung während der zurückliegenden zwei bis drei Monate. Mit Hilfe der regelmäßigen HbA1c-Messungen kann Ihr Arzt sehr genau feststellen, wie gut die Blutzuckereinstellung tatsächlich ist. Grundsätzlich werden heute HbA1c-Werte von unter 7 %, besser noch von unter 6,5 %, als erstrebenswert angesehen.

Das Körpergewicht

Das individuelle Körpergewicht ist von Alter, Größe, Geschlecht, Ernährung und hormonellen Faktoren abhängig. Jeder Mensch hat deshalb sein persönliches Idealgewicht. Zusammen mit Ihrem behandelnden Arzt sollten Sie daher Ihr Zielgewicht so festlegen, dass Sie es erreichen und langfristig halten können. Dies vermindert das Risiko für viele schwerwiegende Erkrankungen und ist für Diabetiker besonders wichtig. Als international gebräuchliche Maßeinheit hat sich der Body-Mass-Index (BMI) durchgesetzt. Er wird nach der folgenden Formel berechnet:
BMI = Körpergewicht in Kilogramm / (Körpergröße in Meter)2

Tabelle 2: Der Zielbereich des Body-Mass-Index (BMI) für Typ-2-Diabetiker ist vom Geschlecht abhängig:

Normalbereich     Grenzbereich       RisikobereichFrauen 19-24     unter 26     über 26Männer 20-25     unter 27     über 27

Blutzuckermessungen

Die dauerhaft optimale Blutzuckereinstellung kann das Risiko von diabetischen Folgeerkrankungen erheblich senken. Daher ist es das Ziel einer optimalen Blutzuckereinstellung, möglichst nahe an normale Werte heranzukommen.
Der vom Diabetiker selbst kontrollierte Nüchtern-Blutzucker sollte unter 110 mg/dl (6,1 mmol/l) liegen. Nach einer Mahlzeit (postprandial) gemessen sollte der Blutzucker nicht höher als 160 mg/dl (8,9 mmol/l) sein. Die individuellen Therapieziele legt der behandelnde Arzt fest.

Blutdruck

Die Blutdruckmessung soll im Sitzen oder Liegen nach 5 Minuten Ruhe erfolgen. Ein erhöhter Blutdruck kommt bei Diabetikern häufiger vor und sollte so frühzeitig wie möglich behandelt werden.

Der normale Blutdruck liegt bei 120/80 mmHg. Im oberen Normalbereich befindet sich der Blutdruck, wenn ein Wert zwischen 130/85 und 139/89 mmHg gemessen wird. Höhere Werte sind ein Hinweis auf Bluthochdruck (Hypertonie). Für den Diabetiker ist ein Blutdruck von unter 130/85 mmHg anzustreben. Optimal ist, wenn er dauerhaft bei oder unter 120/80 mmHg liegt. Dies gilt in besonderem Maße bei beginnenden Nierenerkrankungen. Regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks sind wichtig, denn ein schlecht behandelter Bluthochdruck kann im Laufe von wenigen Jahren zu zahlreichen Folgeerkrankungen führen: Herzmuskelschwäche, Angina pectoris, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen der Beine, Herzinfarkt und Nierenversagen.
Können die Blutdruckziele mit nicht-medikamentösen Maßnahmen, wie Gewichtsabnahme, Ausdauertraining, Kochsalz-Reduktion und Stress-Vermeidung, nicht erreicht werden, wird die Einnahme von Blutdruck-senkenden Arzneimitteln erforderlich.

Cholesterin und Triglyceride

Erhöhte Blutfette bedeuten ein zusätzliches Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen. Sie sind Begleiterscheinungen eines schlecht eingestellten Diabetes. Kennzeichnend sind niedrige HDL-Cholesterin- und hohe LDL-Cholesterin-Werte. Bei Diabetikern sollte zur Erkennung von Risiken für Erkrankungen des Blutgefäßsystems besonders sorgfältig auf die Kontrolle der Blutfette geachtet werden. Das geringste Risiko liegt vor bei Cholesterinwerten unterhalb von 200 mg/dl. Der Wert des LDL-Cholesterins sollte unterhalb von 115 mg/dl liegen, bei Bestehen einer koronaren Herzerkrankung sogar 100 mg/dl nicht überschreiten. Der Wert des HDL-Cholesterins sollte oberhalb von 40 mg/dl liegen. Beim Triglycerid-Wert sind Werte von weniger als 150 mg/dl (1,7 mmol/l) anzustreben.

Die Behandlung des Typ-2-Diabetes mit Tabletten

Die Mehrzahl der Diabetiker mit einem Typ-2-Diabetes kann die Behandlung mit Blutzucker-senkenden Tabletten vornehmen. Hierfür stehen mehrere, ganz unterschiedliche Arzneimittel zur Verfügung. Der behandelnde Arzt wählt die für Sie am besten geeignete Behandlung aus. Jede Behandlung durch blutzuckersenkende Tabletten erfordert die regelmäßige Einnahme, um den optimalen Effekt zu erzielen.
Die häufig verordneten Sulfonylharnstoffe (SH) Glimepirid und Glibenclamid bewirken eine Stimulation der Insulin-produzierenden Zellen. Dadurch setzen diese einerseits vermehrt Insulin aus ihren Speichern frei und steigern andererseits die Insulin-Produktion. Während Glibenclamid bis zu dreimal täglich eingenommen werden muss, genügt bei dem moderneren Glimepirid die einmal tägliche Einnahme. Eine Behandlung mit den SH-Präparaten führt zu messbar erhöhten Insulin-Spiegeln im Blut.
Der Wirkstoff Metformin, der wichtigste Vertreter aus der Gruppe der Biguanide, wirkt direkt auf den Zuckerstoffwechsel der Leber, aber auch auf jenen der Muskelzellen. Dadurch kommt es zu einer Senkung des Blutzuckerspiegels. Besonders bei übergewichtigen Patienten gilt Metformin als wichtige Alternative zu den Sulfonylharnstoffen.
Die so genannten "postprandialen Glukose-Regulatoren" führen kurzfristig zu einer verstärkten Insulin-Freisetzung aus den Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Diese Wirkstoffe werden daher in zeitlichem Zusammenhang mit den Hauptmahlzeiten eingenommen. Die kürzlich in die Behandlung eingeführten "Glitazone" führen zu einer Verminderung der Insulin-Resistenz, indem sie die Empfindlichkeit der Zellen für Insulin verbessern. Folglich können diese Zellen besser Glukose aufnehmen. Alpha-Glukosidase-Hemmer entfalten ihre Wirkung dadurch, dass sie im Darm die Spaltung von Mehrfachzuckern in resorbierbare Einfachzucker hemmen. Dadurch steigt nach einer Mahlzeit der Blutzuckerspiegel langsamer an. Die häufigste Nebenwirkung dieser Arzneimittel sind, als Folge von vermehrter Darmgasbildung, typische Beschwerden im Magen-Darm-Trakt.

Die Behandlung des Typ-2-Diabetes mit Insulin

Im Laufe der Diabetes-Behandlung mit Tabletten kann es dazu kommen, dass die Bauchspeicheldrüse einmal nicht mehr in der Lage ist, die erforderlichen Insulin-Mengen zu produzieren. Dann wird der behandelnde Arzt dazu übergehen, dieses Defizit mit Hilfe von Insulin auszugleichen. Ob und wann dies der Fall ist, kann bei Behandlungsbeginn meist nicht vorhergesagt werden. Um die Bauchspeicheldrüse zu schonen, wird heute von Diabetologen frühzeitig mit einer speziellen Insulinbehandlung begonnen.

Unterzuckerung - Symptome, Ursachen

Das Auftreten von zu niedrigen Blutzuckerwerten wird als Unterzuckerung (Hypoglykämie) bezeichnet. Beim Diabetiker ist eine Unterzuckerung stets ein ernstzunehmender Hinweis auf eine zu intensive Behandlung oder eine Überdosierung seiner Medikamente. Die typischen Symptome sind: Schwitzen, Blässe, Zittrigkeit, Unruhegefühl, Herzklopfen, Pelzigkeitsgefühl um die Lippen und im Mund, Aggressivität, Heißhunger. Hinzu kommen bei weiterem Absinken des Blutzuckerwerts: Seh- und Sprachstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörung, Bewusstseinsstörung, Bewusstlosigkeit. Als Ursachen für eine Unterzuckerung kommen eine Reihe recht unterschiedlicher Umständen in Frage (s. Tabelle 3).

Tabelle 3: Ursachen für eine Unterzuckerung:

  • Zu hohe Dosis Zu hohe Dosis von Blutzucker-senkenden Tabletten
  • Versehentliche Gabe einer zu hohen Insulin-Dosis
  • Weglassen einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit
  • Außergewöhnliche körperliche Betätigung
  • Alkoholgenuss
  • Erbrechen oder Durchfall.

Das diabetische Koma

Jeder Patient mit Diabetes kennt die Symptome von zu hohen Blutzuckerwerten: Durst, vermehrtes Wasserlassen, Müdigkeit, Schwäche, Infekte, schlecht heilende Wunden. Bei einer beginnenden Stoffwechselentgleisung mit Blutzuckerwerten von meist über 300 mg/dl, die in ein lebensbedrohliches Koma übergehen kann, kommen hinzu: Bewusstseinsstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Acetongeruch (Atem riecht nach Obst) in der Atemluft. In dieser Situation muss der Zuckerstoffwechsel unter ärztlicher Überwachung wieder normalisiert werden.

Folgeerkrankungen

Wie Folgeerkrankungen des Diabetes zu vermeiden sind

Die besten vorbeugenden Maßnahmen für diabetische Veränderungen, die unterschiedlichste Organe betreffen können, stellen die Optimierung von Diabetes-, Blutdruck- und Blutfett-Einstellung dar. Gleichzeitig ist es für die betroffenen Patienten wichtig zu wissen, welche Gefahren bestehen.

Diabetische Herzerkrankungen

Diabetiker haben ein besonders hohes Risiko für das Auftreten von Herzerkrankungen. Dies gilt in besonderem Maße für die koronare Herzkrankheit. Daher müssen derartige Erkrankungen, falls erforderlich auch vom Facharzt, aufmerksam diagnostiziert und konsequent behandelt werden.

Diabetische Augenveränderungen

Durch Diabetes mellitus bedingt kann es zu erheblichen Schäden an der Netzhaut, der Iris und der Linse bis zum allmählichen Verlust der Sehkraft oder zu Blindheit kommen. Diese Augenveränderungen sollten daher durch regelmäßige augenärztliche Untersuchungen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Einmal pro Jahr wird daher eine fachgerechte Untersuchung bei weitgestellter Pupille erfolgen.

Diabetische Nierenerkrankungen

Durch die Messung der Eiweißausscheidung im Urin können Nierenschädigungen bei Diabetikern früh erkannt und das Fortschreiten durch eine entsprechende Behandlung deutlich vermindert werden. Zu dieser Behandlung gehören, neben einer besonders sorgfältigen Blutzuckereinstellung, eine gute Blutdruckeinstellung, Eiweißreduktion in der Ernährung und Einstellen des Rauchens.

Diabetische Nervenveränderungen

Diabetische Nervenschäden sind typische diabetesbedingte Folgeerkrankungen. Zu den Nervenschädigungen bei Diabetikern zählen Funktionsstörungen des vegetativen Nervensystems (autonome Neuropathie), die das Herz- und Gefäßsystem ebenso wie den Magen-Darm-Trakt betreffen können. Diabetiker mit einer peripheren Neuropathie haben verminderte Vibrations-, Schmerz- und Temperaturempfindungen, vor allem im Bereich der Füße. Es können aber auch Missempfindungen und Schmerzen - diese häufig nachts - auftreten. Um die Symptome frühzeitig zu erkennen und wirksam zu behandeln, sind regelmäßige Untersuchungen erforderlich.

Der diabetische Fuß

Als Diabetiker untersuchen Sie am besten ihre Füße einmal täglich selbst, oder Sie lassen Ihre Füße von Partnern oder Verwandten inspizieren. Besonderes Augenmerk ist auf Verletzungen und Druckstellen zu richten. Bei trockener Haut ist regelmäßiges Eincremen mit einer harnstoffhaltigen Creme hilfreich. Die Schuhe von Diabetikern sollten ausreichend weit sein, um Druckstellen vorzubeugen. Vermeiden Sie bei der Fußpflege jede Verletzung. Trocknen Sie die Füße nach dem Waschen gut ab. Feuchte Bereiche zwischen den Zehen stellen eine Infektionsgefahr dar. Einmal im Quartal sollte auch der behandelnde Arzt die Füße seiner Diabetes-Patienten untersuchen.

Körperliche Aktivität und Ernährung

Diabetes mellitus und körperliche Aktivität

Körperliche Aktivität ist ein weiterer Grundpfeiler der Diabetes-Therapie. Durch sie wird das Herz-Kreislauf-System trainiert, das Körpergewicht reduziert und sogar die Insulin-Wirkung verbessert. So wird insgesamt weniger Insulin benötigt. Körperliche Aktivität verbessert auch die Blutfette und den Blutdruck, hält sie körperlich und geistig fit.

Die Aktivierung der Körpermuskulatur durch Sport führt zu einer vermehrten Einschleusung von Zucker aus der Blutbahn in die Muskelzellen. Regelmäßige sportliche Aktivitäten sind daher sehr empfehlenswert. Beginnen Sie aber bitte nie ohne vorherige ärztliche Untersuchung plötzlich mit einer anstrengenden Sportart. Die Trainingsintensität soll nämlich langsam gesteigert werden. Am besten suchen Sie sich eine Sportart aus, die Ihnen Spaß macht und die Sie auch dauerhaft durchführen können.

Am besten besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche körperliche Aktivität für Sie günstig ist. Beachten Sie die Auswirkungen von Sport auf Ihren Blutzucker. Um Unterzuckerungen zu vermeiden, sorgen Sie vorher für eine ausreichende Zufuhr von Kohlenhydraten. In jedem Falle ist es wichtig, dass Ihre Sportpartner über das Bestehen Ihres Diabetes und die richtigen Maßnahmen bei einer Unterzuckerung informiert sind.

Die Ernährung des Diabetikers

Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist ein äußerst wichtiger Teil der Diabetes-Behandlung. Es ist Ziel eines entsprechenden Diätplanes, die Zufuhr aller notwendigen Nährstoffe und eine bedarfsgerechte Energieversorgung sicherzustellen. Dabei sollte die Tatsache, dass Essen auch weiterhin Freude macht, nicht außer Acht gelassen werden. Bei Übergewichtigen ist in erster Linie eine Gewichtsreduktion anzustreben, da dies den Blutzuckerspiegel langfristig positiv beeinflusst.

Kohlenhydrate:
Obwohl es die Kohlenhydrate sind, die einen raschen Anstieg des Blutzuckers bewirken, sollten sie nicht gänzlich vermieden werden. Es wird für Diabetiker empfohlen, etwa die Hälfte der täglichen Energie in Form von Kohlenhydraten zu sich zu nehmen. Im Vordergrund steht eine gezielte Auswahl. Im Diätplan ist es üblich, die Menge der Kohlenhydrate in Einheiten, den Kohlenhydrateinheiten (KE) anzugeben.

Fett:
Fett enthält von allen Nährstoffen die meisten Kalorien. Generell ist daher eine fettarme Ernährung zur Gewichtsreduktion zu empfehlen. Dies gilt auch für jene Diabetiker, die das Normal- oder Idealgewicht halten möchten. Der Fettanteil in der ausgewogenen Ernährung sollte etwa ein Drittel der Gesamtenergiemenge decken.

Eiweiß:
Diabetiker sollten tierische Eiweißträger meiden und bevorzugt auf pflanzliche Eiweißquellen ausweichen. Grundsätzlich kann bei Diabetes eine zu hohe Eiweißzufuhr schädliche Auswirkungen haben, weshalb ihr Anteil an der Nahrung relativ niedrig sein soll.

Alkohol:
Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder der Diätberatung über den Genuss von Alkohol. Alkohol kann, sofern man die geeigneten Getränke auswählt, durchaus auch von Diabetikern genossen werden, er kann aber auch Unterzuckerungen auslösen. Eine derartige Unterzuckerung tritt manchmal erst nach mehreren Stunden auf. Daher gilt im Hinblick auf Alkohol gerade auch für den Diabetiker: "Weniger ist mehr".

Gesundheitstipps Diabetes als pdf

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